„Emotionale Weisheit bedeutet, sich bewusst zu entscheiden, wie man sich fühlen will“
Bernardo Stamateas

Der Empfänger einer Nachricht bestimmt die Botschaft
Ich weiß, es klingt erst einmal ungewöhnlich und vielleicht auch ein bisschen provokativ. Aber die Wahrheit ist: Niemand auf dieser Welt ist dafür verantwortlich, für das, was Du fühlst – außer Du selbst. Fühlst Du Dich oft zurück gesetzt, obwohl sich im Nachhinein heraus gestellt hat, dass etwas gar nicht so war, wie Du es dachtest? Nimmst Du Dir öfter Dinge zu Herzen, die vielleicht gar nicht so gemeint waren? Denkst Du immer, dass Du der Auslöser oder Grund für das Verhalten Anderer bist? In der Psychotherapie wird Klienten, die emotional stark auf Worte, Handlungen – und manchmal auch auf nicht erfolgte Reaktionen eines Gegenübers – reagieren, folgender Satz mitgegeben: „Der Empfänger einer Nachricht bestimmt die Botschaft!“ Aus meiner Erfahrung als Coach ist das ein Satz, mit dem viele Menschen zunächst im Widerstand sind. Tatsächlich verbirgt sich hinter dieser Sichtweise aber ein sehr großer Schatz, nämlich die Sichtweise, dass Du derjenige bist, der unabhängig vom Verhalten Anderer über seine Gefühle bestimmen kann. Über einige Hintergründe erfährst Du etwas in diesem Beitrag.

Verschiedene Reaktionsmuster – ein Beispiel aus dem Alltag
Nehmen wir einmal an, in Deinem Leben oder Umfeld gibt es einen Menschen, den Du gern hast und mit dem Du gern Zeit verbringen möchtest. Um Dein Interesse an diesem Kontakt zu zeigen, meldest Du Dich ab und zu und fragst vielleicht auch mal nach einem Treffen, bei dem ihr einfach mal wieder Zeit miteinander verbringen und quatschen könnt. Und dann kommt’s: Die Antwort bleibt aus. Irgendwie bekommst Du keine Reaktion. Oder nur sehr zeitverzögert. Wie reagierst Du auf diese Situation? Bleibst Du gelassen und bist Dir sicher, dass das nichts mit Dir zu tun hat? Oder wirst Du unsicher und beginnst, Dich zu fragen, ob Du etwas falsch gemacht hast und ärgerst Dich dann, weil Du innerlich weißt, dass das nicht der Fall ist? Ist es Dir möglich, das Verhalten des Anderen anzunehmen ohne Dich abgewertet oder angegriffen zu fühlen? Oder gehörst Du zu denen, die unvoreingenommen die Zügel in die Hand nehmen und holst den Anderen einfach spontan zu einer Verabredung ab? Zu welchem Reaktionstyp gehörst Du? Hast Du ein typisches Reaktionsmuster, das immer nach dem selben Schema in Dir abläuft oder hängt Deine Reaktion von Deiner Tagesform ab?

Interpretation oder Fakten?
Jeder Mensch reagiert anders auf die hier beschriebene Beispielsituation, denn jeder von uns hat andere Beziehungs- und Bindungserfahrungen in seinem Leben gemacht. Wie wir so eine Situation deuten, hängt also ganz allein von unseren persönlichen Prägungen und den damit einhergehenden Erfahrungen und Gefühlen zusammen. Das Verhalten anderer Menschen hat in den seltensten Fällen etwas mit uns zu tun, sondern nur damit, wie wir das Verhalten eines anderen Menschen uns gegenüber deuten. Je nachdem, welcher Gedanke in uns auftaucht, so formt sich daraus das nachfolgende, daran gebundene Gefühl. Um aus so einer persönlichen Interpretation nicht eine eigenständige Gedanken- und Gefühlskette werden zu lassen, die die Verbindung zu einem anderen Menschen nachfolgend blockiert, ist es wichtig, Fakten zu schaffen.

Beispiel: Der Gedanke: „Er | Sie will mich nicht sehen!“ lässt auf einer tieferen Ebene möglicherweise das Gefühl des Abgelehnt-Werdens entstehen. Die daraus folgende Reaktion kann je nach Typ auf folgende Weise stattfinden:

  • Rückzug
    Keine direkte Reaktion, Unsicherheit, Schweigen, Konfliktvermeidung, Angst vor Konfrontation.
    Dieser Reaktionstyp tut so, als ob nichts sei und schluckt seinen Ärger herunter. Typisch für diesen Typ können unerwartete Wutausbrüche sein, weil er so viel in sich aufgestaut hat.
  • Verdeckte Aggression
    Formulierung von Vorwürfen wie beispielsweise: „Du meldest Dich ja gar nicht mehr!“, Austeilen von Spitzen, den Anderen vorführen, Zynismus.
    Dieser Reaktionstyp ist sich seiner Gefühle bewusst, traut sich aber nicht, sie offen anzusprechen und arbeitet mit indirekten Angriffen (passiv-aggressiv).
  • Offene Aggression
    Direkter Angriff des Gegenübers, Unterstellungen formulieren, Kontaktabbruch.
    Dieser Reaktionstyp reagiert unverhältnismäßig aggressiv auf eine eigentlich harmlose Situation.
  • Gewaltfreie Kommunikation
    Diese Form der Reaktion ist die gelassenste und frei von jeglicher persönlicher Interpretation oder Wertung und somit projektionsfrei. Projektionsfreie Kommunikation bedeutet, dass wir eine in uns angestoßene Verletzung nicht auf den anderen übertragen. Wir verstehen, dass es unser eigener innerer Konflikt ist, der in uns anspringt und uns auf den Anderen reagieren lässt. Dies gelingt Menschen dann, wenn sie mit sich im Reinen sind.

Allgemein kann man davon ausgehen, dass den ersten drei Reaktionstypen die tiefere Ursache für Ihr Reaktionsmuster wahrscheinlich nicht bewusst ist. Ist ein Mensch reflektierter, kann es sein, dass ihm die Ursache (zum Beispiel die Angst vor Ablehnung) zwar bewusst ist, er aber nicht aus seiner Haut kann, weil er noch kein alternatives Reaktionsmuster für sich gefunden hat.

Merke:

„Wir sollten keine Vermutungen über etwas oder jemanden anstellen, sondern miteinander reden.“

Toxische Gedanken und Gefühle sind nicht gut für Deine Gesundheit
Vielleicht hast Du bei der Frage nach Deinem Reaktionsmuster Impulse bekommen oder heraus gefunden, dass Du dazu neigst, das Verhalten Anderer Dir gegenüber zu interpretieren und persönlich zu nehmen. Damit einher gehen natürlich schwächende Gefühle (Unsicherheit, Frust, Ärger, Verlustangst), denn wer sich abgelehnt oder zu Unrecht ignoriert fühlt, dem geht es verständlicherweise nicht gut damit. Das geht auf Deinen Selbstwert, der sehr wahrscheinlich in einer weiter zurück liegenden Phase Deines Lebens angegriffen wurde, denn sonst wäre dieses Reaktionsmuster nicht in Dir angelegt.

Wenn Du achtsam Deine Reaktionsmuster untersuchst, wirst Du feststellen, dass Du in den meisten Fällen nicht von anderen Menschen bewusst angegriffen wirst, sondern es Deine eigenen Gedanken sind, die Dich durch Vermutungen und den damit einhergehenden Gefühlen schwächen. Diese Gefühle nennen sich „toxische Gefühle“, weil sie uns von innen her mental vergiften und durchaus nachhaltige Auswirkungen auf unser psychisches und physisches Wohlbefinden haben. Negative Gedanken verursachen – wenn sie zu unumstößlichen Überzeugungen über uns selbst geworden sind – emotionalen Stress und führen zu entsprechenden biochemischen und hormonellen Reaktionen, die das Immunsystem auf Dauer schwächen. Daher ist es wichtig, dass Du Dir möglicher schädigender Verhaltens- und Reaktionsmuster bewusst wirst, sofern Du welche in Dir trägst.

Jede Veränderung beginnt in Dir
Schlussendlich kommt wahrscheinlich Niemand von uns in seinem Leben darum herum, irgendwann einmal Menschen zu begegnen, die sich verletzend oder unangemessen verhalten. Wichtig ist aber, wie DU damit umgehst.

  • Bist Du innerlich so stabil, dass Dein Selbstbild und auch Dein Selbstwert davon unangetastet bleiben?
  • Kannst Du unterscheiden, wann das Verhalten Anderer Dir gegenüber angemessen ist, und wann nicht?
  • Erkennst Du, ob diese Menschen ein tiefer liegendes Thema haben, dessen Ursprung nicht bei Dir liegt, auch, wenn sie Dich dafür verantwortlich machen wollen?
  • Und wo machst Du eventuell selber noch andere Menschen für Gefühle in Dir verantwortlich, deren Ursprung tiefer liegt und die Du noch nicht erkannt, geklärt und erlöst hast?

Die gute Nachricht ist: daran kann jeder etwas verändern! Und zwar in sich selbst. Wenn wir uns auf den Weg machen, uns, unsere Beziehungen, unser Leben, unsere Verhaltensweisen und Reaktionen besser verstehen zu wollen, schaffen wir Bewusstsein für alles, was uns im Leben widerfährt. Wir durchschauen uns selbst und können uns besser schützen und abgrenzen.

Ich unterstütze Dich sehr gerne mit meinem Angebot bei Deinem Bewusstwerdungsprozess und Deiner Persönlichkeitsentwicklung für Dein gut gelebtes Leben. Bewusstsein ist Lebensqualität! Du kannst jeden Tag damit beginnen.